Ein Leben ohne Whatsapp

… und Facebook geht das überhaupt?

Ein Jahr nach Einführung der DSGVO macht facebook immer noch hauptsächlich mit Datenskandalen auf sich aufmerksam. Trotz millionenschweren Rückstellungen für Strafzahlungen macht der Konzern weiterhin enorme Gewinne und erfreut so die Aktionäre.

In meiner Funktion als Datenschutzbeauftragte und Datenschutzkoordinatorin eines Klinikums erzähle ich beinahe täglich, wie böse Facebook ist und dass WhatsApp zur Unternehmenskommunikation gänzlich ungeeignet ist. Da war es am Ende eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass ich meine ganzen Accounts (Facebook, Instagram und WhatsApp) im verganenen Jahr Stück für Stück abgemeldet habe.

Doch wie lebt es sich so fernab jeglicher Social-Media-Zivilisation?

1. ein Leben ohne Facebook

Als erstes gab ich Facebook auf. Das war ein gewaltiger Einschnitt:

  • Niemand erinnert mich mehr daran, dass Freunde Geburtstag haben
  • Wichtige Nachrichten aus der Welt erreichen mich erst am Abend oder darauffolgenden Tag
  • Das Marketing ohne “auf facebook teilen” ist auch sehr schwer…

Trotzdem bereue ich diesen Schritt nicht:

  • Um wichtige Nachrichten zu erhalten, nutze ich die Tagesschau-App. Jetzt erhalte ich auch keine “fake-News” mehr und das Leben ist deutlich unaufgeregter.
  • Ich verbringe deutlich weniger Zeit am Handy. Während ich früher – gerade unterwegs, wenn ich irgendwo warten musste – mal fix “facebook gecheckt” habe, schaue ich jetzt in die Natur. Das beruhigt mental und freut meine mobilen Daten 😉
  • Erst kürzlich veröffentlichte eine Kollegin einen unglaublich guten Artikel darüber, was Facebook tatsächlich alles an Daten vom Nutzer sammelt. Das ist schon fast gruselig.
    https://regina-stoiber.com/2019/05/20/facebook-datenschutz-was-weiss-facebook-ueber-mich/

2. ein Leben ohne Instagram

Ich mochte es, meine Bilder zu zeigen und mir Bilder von befreundeten Fotografen anzusehen. Instagram fehlt mir von allen Kanälen am meisten, aber konsequent ist konsequent… Und auch hier ist der Zeitgewinn enorm. Eine Alternative habe ich hier bewusst nicht gesucht.

3. ein Leben ohne Whatsapp

Wer kennt das nicht? Ein Verein oder die Elternvertreter in der Schule erstellen eine Gruppe und dann artet – trotz mehrfacher Bitten dies nicht zu tun – jede Nachricht in eine Nachrichtenflut aus. Man öffnet das Handy und plötzlich stehen da 150 neue Nachrichten (vorausschauend genug, um die Gruppe auf lautlos zu stellen, war ich ja schon) … :/

Von Whatsapp habe ich mich emotional am leichtesten verabschiedet, obwohl ich befürchte, den Kontakt zu einigen meiner Bekannten dadurch zu verlieren.

Als Alternative nutze ich Threema. Andere Bekannte nutzen Signal oder Telegram. Allesamt besser als Whatsapp. Ich war überrascht, wie viele meiner Bekannte dann doch schon “Zweit-Messenger” nutzen oder zumindest auf ihrem Handy installiert haben.

4. ein Leben ohne doodle

Gut, doodle gehört nur bedingt in diese Liste, aber ich möchte an dieser Stelle dennoch eine Alternativ-Lösung vorstellen. Für alle diejenigen, die Terminfindung oder Umfragen ohne jegliche Datenspeicherung wünschen, bietet digitalcourage.de eine Lösung. 

Fazit

Für mich war die Entscheidung “weg von facebook” richtig und gut – ich maße mir aber nicht an, andere belehren zu wollen. Letztendlich bieten Social Media viele Vorteile.

Das Wichtigste für mich: Dank der DSGVO sind wir Nutzer so informiert wie noch nie. Das erlaubt es uns, informiert zu entscheiden, ob wir einen Dienst nutzen möchten oder nicht.

 

Bildquellen

  • facebook-urteil-pixabay-LoboStudioHamburg: pixabay LoboStudioHamburg